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„Hinter den Kulissen“

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Designer Interieur Melanie Trinkwell

MÉLANIE TRINKWELL

INNENARCHITEKTIN, MWELL STUDIO


Diese Frage wird mir oft gestellt: Wie läuft die Anfangsphase eines Einrichtungsprojekts ab, wenn Sie einen Kunden oder eine Kundin begleiten? Ich werde mir daher in diesem Artikel erlauben, Ihnen meine ganz persönliche Vision zu schildern, die ich im Kopf habe, wenn ich mit einem Einrichtungsprojekt beauftragt werde – egal, ob es für eine Privatperson oder einen Geschäftskunden ist. Im Lauf eines langen und intensiven kreativen Prozesses knüpfe ich immer eine intime Beziehung zu den Adressaten des Projektes. Herzlich willkommen hinter den Kulissen meiner mäeutischen Einrichtungsphilosophie!

Der „Creative Brief“ oder die Ausgangsidee

Wie kann ich Funktion, Material und Erscheinungsbild zusammenbringen? Dies ist das untrennbare Trio bei jedem Projekt. Um jedes dieser drei Elemente im Detail zu identifizieren, gehe ich stets gleich vor.

Ich rufe mir die Treffen mit den Kunden in Erinnerung und stütze mich dabei auf Notizen, die ich mir bei diesen Gelegenheiten gemacht habe. Wenn ich sie durchlese, erinnere ich mich an die Gefühle, die im Lauf unserer Gespräche auf ihren Gesichtern abzulesen waren, und an ihre Körpersprache, die manchmal mehr aussagte als ihre Worte …

Ein Einrichtungsprojekt berührt nämlich gelegentlich, auch wenn es auf den ersten Blick noch so oberflächlich erscheinen mag, einen wichtigen Punkt, über den meine Kunden mit ihren Partnern oder Familien nie gesprochen haben. Ich bin dann für sie da, wie eine Vermittlerin, ja sogar eine Mediatorin, deren Aufgabe es ist, einen Konfliktpunkt durch die Wiederherstellung des familiären Gleichgewichts zum Ausgangspunkt für eine ganze Reihe neuer Möglichkeiten zu machen.

Karly Santiago Réinventons Notre Intérieur

Crédit Photo : Karly Santiago – Tout est dit, réinventons notre intérieur !

Die Augenblicke, in denen ich an solch intimen Momenten teilhaben darf, schätze ich sehr.

Neben einem Stil, der die Hauptrichtung des Ausdrucks für das Projekt vorgeben kann, geht es um Werte und Lebensweisen. Unsere Gespräche sind lang, denn ich muss oft am Gips der Fassade, hinter der wir uns alle verstecken, kratzen, um freizulegen, was in meinen Gesprächspartnern wirklich vorgeht. Eine Vertrauensbeziehung entsteht.

Wenn ich an einem Einrichtungsprojekt arbeite, orientiere ich mich auch an dem, was schon vorhanden ist, der Architektur des Ortes. Die Wände sprechen regelmäßig zu uns, wir müssen jedoch die Fähigkeit haben, ihnen zuzuhören oder uns die Zeit dafür nehmen. Ich stelle Bilder zusammen, die diese ersten Gedanken anschaulich vermitteln und entwickle das dann Stück für Stück …


Die Momente der Schöpfung


Woher kommt die Inspiration für jedes neue Projekt? Ich schließe mich in meinem komplett in Grün gehaltenen Arbeitszimmer ein (diese Farbe gibt mir neue Energie!) und umgebe mich unter dem wohlwollenden Blick meiner Design-Päpstin Charlotte Perriand mit Zeitschriften, weiteren „Bildbänden“ aus meiner Bibliothek und Musterstücken zum Anfassen aus meiner Materialsammlung. Dazu dope ich mich mit grünem Tee und – ich muss es gestehen – Nüssen zum Knabbern. So gerüstet kann ich dann in den Tempel der Musen eintreten. *Räusper“


„Die Begrenzungen hat, die man sich selbst auferlegt“


Nein, im Ernst, kein Zauber – nicht einmal Kerzen mit Bergamotte-Duft – kann bei mir mehr Kreativität entfachen als die Bilder, die ich für jedes Projekt zusammenstelle und in meinem Blickfeld aufbewahre, bis sich aus ihnen eine Art Sinnzusammenhang ergibt. Dann ist es wichtig für mich, diesen in Worte zu fassen und die Worte mit den Werten meiner Kunden zu vergleichen, um zu überprüfen, ob sie gut zusammenpassen. Ich wähle diese Worte sorgfältig, denn durch sie kann eine Botschaft vermittelt werden, die der von Konventionen losgelösten Umsetzung dient.

Wenn die Zustimmung erfolgt ist, füge ich diesem „Moodboard“ einige Farben hinzu. Ich neige dazu, mit Kontrasten zu spielen; Violett kombiniert mit ockerfarbenem Gelb, oder Tannengrün mit einem zarten Rosa … Es fasziniert mich immer, zu sehen, wie Farbe allein den Ausdruck eines Ortes verändern kann.

Danach steht die Materialwahl an. Dann die räumliche Umsetzung oder die Übertragung des Projektes auf einen Grundriss, um seine Funktionalität zu überprüfen, und schließlich die 3D-Skizzen (manchmal sogar Papiermodelle). Wenn sich mir die Gelegenheit bietet, ein paar Möbelstücke zu entwerfen, wird das Projekt nur noch individueller.

Natürlich versuche ich aus Prinzip, Vergnügen und Neugier in jeden meiner Vorschläge einfließen zu lassen.

Die Wirkung und ihre Umsetzung

Bei der Präsentation des Projekts für die Kunden und im Hinblick auf seine Freigabe erinnere ich sie an mein Credo, sie so weit wie möglich beim Ausdruck ihrer Intention zu begleiten. Es ist meine Aufgabe, ihnen einen möglichst vollständig ausgearbeiteten Vorschlag zu präsentieren; ihre Aufgabe ist es, sich diesen abhängig von ihren eigenen Begrenzungen zu eigen zu machen. Dabei müssen sie berücksichtigen, dass man „die Begrenzungen hat, die man sich selbst auferlegt“, was impliziert: Scheren Sie sich nicht um die Meinung der Nachbarn!

Es folgt die berühmte Ausschreibung und mit ihr die Freigabe des Anfangsbudgets; dann beginnen die Bauarbeiten.

Im Lauf der Projekte habe ich viel durch die Gespräche mit den Handwerkern gelernt, deren Know-how und Sinn für das Praktische mich immer wieder beeindrucken. Diese Phase der Umsetzung weckt große Begeisterung, da die Skizzen unter unseren Augen zum Leben erwachen. Und sobald die Bauarbeiten abgeschlossen sind, bin ich schon wieder bereit, ein neues Projekt anzugehen …


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